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15. Juli 2017

Meine Reise zum Minimalismus – Weniger Zeug bedeutet mehr Zeit

Minimalismus

Minimalismus: Weniger Zeug bedeutet mehr Zeit.

Wie oft habe ich darüber in letzter Zeit gelesen. Je mehr ich über diese Lebenseinstellung erfahre, umso interessanter finde ich sie. Minimalismus bezeichnet (laut Wikipedia) einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Minimalismus bedeutet auf das Wesentliche zu reduzieren. Warum sich dieses Thema momentan so in meinem Kopf verankert hat und wie ich meine Reise zum Minimalismus bestreiten will, möchte ich euch in diesem Beitrag erzählen.

 

Minimalismus

 

Der ganz normale Konsumwahnsinn

Wenn man zurzeit durch die Einkaufsstraßen bummelt, prangt es von allen Schaufenstern: -30%! -50%! Ja sogar -70%! Wow! Da wird man doch sofort zum Schnäppchenjäger und sucht nach den besten Angeboten. Der jährliche Sommerschlussverkauf suggeriert uns, dass wir Geld sparen, wenn wir jetzt etwas kaufen… das wir eigentlich gar nicht brauchen.

Vor etwa zwei Wochen trudelte ein E-Mail einer bekannten Modekette in mein E-Mail-Postfach: „Liebe Christina! Nur für Sie heute -20 % auf alles im Onlineshop!“ Oh, wie toll! Das E-Mail wurde natürlich an einem Sonntag verschickt und so hatte ich ausreichend Zeit im Onlineshop zu stöbern. Zehn Minuten später waren dann schon etliche Shirts im Warenkorb. Doch bevor ich zur virtuellen Kassa gehen konnte, wurde ich von meinen Jungs abgelenkt, die ihren Mittagsschlaf beendet haben.

Am Abend, als die Kinder schliefen, wollte ich noch ein wenig im Internet surfen. Da war er wieder: Mein voller Warenkorb und nur wenige Klicks trennten mich von zehn neuen Shirts. Ich scrollte also meine scheinbaren Schnäppchen durch und gelangte zu dem Entschluss: Ich brauche KEINES davon. Klar, sie sehen schön aus und ich würde sie anziehen. Aber ich habe einen Kleiderschrank randvoll mit Shirts. Wäre ich am Nachmittag nicht abgelenkt worden, hätte ich mir also Kleidung bestellt, die ich gar nicht brauche, nur weil sie günstiger war.

Am Ende der Schwangerschaft vom Frühlingsbaby haben wir schon viel entrümpelt. Wir haben da so einen großen Schrank. Darin lagert einfach alles: Vom Bikini, bis zum Fahrradhelm, vom Schlafsack bis zum Rucksack, von der Weihnachtsdeko bis zur Taucherbrille. Als ich damals den Schrank geöffnet und das ganze Zeug vor mir gesehen habe, habe ich mir tatsächlich gewünscht er würde einfach nieder brennen. Der Schrank ist randvoll, doch ich würde vermutlich nur ganz wenige Dinge wirklich vermissen.

Es ist doch so: In unserer heutigen Gesellschaft wird uns vorgegaukelt: Je mehr man besitzt, umso reicher ist man. Je mehr ich mich mit dem Thema Minimalismus auseinander setze, umso mehr verstehe ich: Reich ist nicht der, der viele Dinge besitzt. Es gibt etwas, das kann man nicht kaufen: Zeit. Doch wir verschwenden Zeit, indem wir ständig Dinge kaufen, die wir nicht brauchen. Und indem wir sie bei uns zuhause anhäufen und so ständig nur noch am Suchen und Aufräumen sind.

Habt ihr schon einmal in einem großen Supermarkt Ketchup gekauft? Das Ketchup-Regal erstreckt sich über mehrere Meter, vom Boden bis etwa zwei Meter Höhe. Wie lange steht man wohl davor, sucht und vergleicht? Dabei will man doch nur ein stinknormales Ketchup kaufen! Und das traurige daran ist: Mein Badezimmerschrank hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit dem Ketchup-Supermarktregal. Da sind so viele verschiedene Tuben, Flaschen und Dosen mit Cremes, Shampoo, Lotionen und vieles mehr. Dabei verwende ich sowieso immer dieselben. Oder kennt ihr das Gefühl, wenn man vor einem übervollen Kleiderschrank steht und trotzdem nichts anzuziehen hat?

 

Minimalismus

 

Wie schafft man es auszubrechen?

Das waren nur ein paar Beispiele aus meinem Leben, die mir aufgezeigt haben, dass ich so nicht weiter machen möchte. Ich möchte nicht viel – ich möchte nur Dinge, die mich glücklich machen – seien es nun materielle Dinge, oder Dinge, die man nicht kaufen kann. Ich möchte dem Konsumwahnsinn trotzen. Lieber investiere ich etwas mehr Geld in etwas, das ich mir wirklich wünsche, als mich von scheinbaren Schnäppchen und Angeboten zu einem unüberlegten Impulskauf verleiten zu lassen.

Außerdem möchte ich weiterhin reduzieren. Ich besitze vieles, das mir mehr Last als Freude bringt. Dinge, die ich schon ewig mit mir herumschleppe, die keine Verwendung, sondern höchstens einen sentimentalen Wert haben. Ich habe so viele Erinnerungsstücke angehäuft – zum Beispiel von einem schönen Urlaub – dabei ist die schönste Erinnerung doch ein tolles Foto und nicht eine Vase oder eine Tonfigur.

Minimalismus bedeutet für mich nicht Verzicht, sondern Freiheit. Ich finde den Gedanken, nicht mehr so viel zu besitzen, befreiend. Ich möchte mich trennen von Dingen, die ich nicht brauche, die mein Leben nur vollstopfen, aber nicht bereichern. Stattdessen möchte ich in meinem Leben Zeit und Platz für schöne Dinge schaffen. Ganz nach dem Motto Qualität statt Quantität. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Ich muss mich in Summe von mehr Dingen trennen, als ich Neue anschaffe. Irgendwann stimmt die Bilanz. Es ist eine Reise und vielleicht komme ich im Laufe meines Lebens an einen Punkt, an dem ich behaupten kann: Ich besitze nur noch Dinge, die ich auch von Herzen besitzen möchte.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

 

Habe ich euer Interesse für Minimalismus geweckt? Ich möchte an dieser Stelle noch auf ein paar wirklich spannende Artikel von anderen Blogger verlinken:

Endgültig zu diesem Beitrag inspiriert hat mich Jeannine vom Blog Mini an Me mit ihrer Entscheidungshilfe für Minimalisten – Mit diesen sieben Fragen kaufst du nur noch, was dich ehrlich happy macht. Der Artikel erinnerte mich sofort an das Schnäppchen E-Mail, dem ich beinahe zum Opfer gefallen wäre. Mich hat dieser Beitrag wirklich wach gerüttelt und seither beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Minimalismus.

Minimalismus ist ein Schwerpunkt auf dem Blog von Fräulein im Glück. Schaut dort unbedingt einmal vorbei! Birgit bespricht hier Themen wie Unordnung im Kinderzimmer oder Lebensmittelverschwendung. Gemeinsam mit Judith von Stadtmama.at hat sie außerdem die #wirmistenaus Challenge veranstaltet, zu der es auch eine tolle Facebook-Gruppe gibt.

Diese Blogger haben auch schon über das Thema geschrieben: Michaela vom Blog Little Bee hat ein ganzes Jahr auf Kleiderkaufen verzichtet und möchte zukünftig mit nur 33 Kleidungsstücken auskommen. Julia vom Blog Immer lauter schrieb ebenfalls über Minimalismus beim täglichen Anziehritual. Auf dem Blog Jutima erzählt Tina über das Buch Magic Cleaning. Daniela vom Blog Die kleine Botin schreibt über Nachhaltigkeit im Familienalltag.

 

Minimalismus - Weniger Zeug bedeutet mehr Zeit.

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12 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ja, mein Interesse ist geweckt. Allerdings bin ich nicht so eine große Einkäuferin. Ich überlege immer dreimal oder öfter. Aber natürlich haben wir viel mehr als wir brauchen. Besonders schwer fällt es mir bei Shrimpi und Pelzibub. Denen Kauf ich immer viel zu viel

    • Christina sagt:

      Hallo Ines! Bei meinen Kids und bei meinem Mann ist es sowieso etwas anderes. Es geht mir vor allem um meinen „Kram“. Klar, würde ich mich freuen, wenn meine Familie mitzieht, aber die Jungs dürfen natürlich selbst entscheiden, wie viel sie besitzen möchten. 🙂

  2. Vicky sagt:

    Ich bin ganz deiner Meinung. Lieber ein paar hochwertige Stücke im Kasten, als der 100ste Fetzen von H&M. Mein Moto: wenn ich was neues kaufen will, muss was altes gehen. Das funktioniert recht gut und man überlegt 2x ob man das neue Stück wirklich kaufen will.

    • Christina sagt:

      Hallo Vicky! Finde ich ebenso. Mit hochwertiger, etwas teurer Kleidung hat man sowieso viel mehr Freude – vor allem, weil man den Kauf vorher reflektiert. 🙂

  3. Tina sagt:

    Wie bei mir am Blog erwähnt, ist das wie ich finde ein langer Prozess. Am schlimmsten finde ich den Keller… Gewand fand ich am einfachsten aber wie du schreibst, die Verlockung lauert überall 😉

  4. Lily sagt:

    Ich verstehe dich da voll und ganz. Ich fühle mich von einem zuviel oft überlastet… Meinen Kindern gehts da ganz ähnlich also haben wir jetzt auch aussortiert…glg

    • Christina sagt:

      Meine zwei Buben sind noch zu klein, um selbst entscheiden zu können, ob sie genug haben, oder ob sie sich von etwas trennen wollen. Ich merke aber immer: Wenn zu viel Spielzeug rum liegt, dann ist der Große schnell überfordert. Also achte ich immer darauf, dass nur immer gewisse Sachen sichtbar sind und die anderen in Kisten oder Laden verstaut sind. Umso lustiger ist es dann übrigens, wieder mit etwas zu spielen, das man ein paar Wochen nicht gesehen hat. 🙂

  5. Daniela sagt:

    Ja, es ist echt super, sich von Dingen zu befreien.
    Ich liebe dazu die „Kleider tauschen & plauschen-Abende“, die wir regelmässig veranstalten.
    So kann man vielen eine Freude machen, mit Sachen, die man nicht mehr wirklich braucht.

    • Christina sagt:

      Hallo Daniela! Das klingt wirklich nach lustigen Abenden. Gerade von Kleidung kann ich mich leicht trennen, da wir diese immer spenden. So weiß ich, dass meine Sachen vielleicht noch jemand anderen glücklich machen können.

  6. Mary sagt:

    Der Klassiker zu diesem Thema ist Magic Cleaning: von Marie Kondo. Sehr empfehlenswert. Mir fiel es immer schwer, mich von Dingen zu trennen, an denen Erinnerungen haften oder die Geschenke waren oder die evtl. mal irgendwann nützlich sein könnten. Das Buch hat mir dabei sehr geholfen.

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